Der Mensch
Der Mensch ist doch der lächerlichste Gast
auf dieser Welt – vor Hochmut platzt er fast,
bekrittelt selbst die Schöpfung unentwegt!
Wie hochgereckt er seine Nase trägt,
als wollte er den Himmel pflügen gar!
Worauf bist du so stolz, hochmütiger Narr?
Dein Leben währt nur einen Augenblick,
Freund Mensch! – Ist es vorbei, kehrt´s nicht
zurück!
Vorüber wie der Wind rast deine Zeit,
hält einerseits die Windeln dir bereit,
beut andrerseits dir schon das Bahrtuch dar!
Worauf bist du so stolz, hochmütiger Narr?
Wie nutzt du diese Frist? – In blutigem Wahn
machst du dir fremde Völker untertan!
Glaubst du wahrhaftig, dass dies rühmlich sei?
Nur Feiglinge ertragen Sklaverei!
Sie zu beherrschen, schändlich ist´s fürwahr!
Worauf bist du so stolz, hochmütiger Narr?
Hast du dir Ruhm erworben – wie die Luft
wird er verwehn, senkt man dich in die Gruft,
bewacht vielleicht ein paar Jahrhundert´ lang
noch wie ein Hund dein Grab, zum Untergang
verurteilt so wie du auf immerdar!
Worauf bist du so stolz, hochmütiger Narr?
Wie sollt dein Ruhm, dein Name auch bestehn,
wird doch dein eignes Volk selbst untergehn!
Das Land, das es zur Heimat sich erkor,
wird einst ein Meer sein wieder wie zuvor;
im Nichts zerstiebt die ganze Welt sogar!
Worauf bist so stolz, hochmütiger Narr?
(Sandor Petöfi 1823 – 1849)